Seit August 2025 sind Sprach- und Videoanrufe auf WhatsApp und Telegram in Russland blockiert. Textnachrichten funktionieren weiterhin, aber ein Anrufversuch verbindet sich schlicht nicht. Die russische Regulierungsbehoerde Roskomnadzor begruendete die Massnahme mit Sicherheits- und Betrugsgruenden, doch das Ergebnis ist, dass Millionen von Menschen innerhalb und ausserhalb des Landes in ihrer haeufigsten Kommunikationsform eingeschraenkt wurden. Unten stelle ich die wichtigsten Optionen und Alternativen vor, mit denen Sie derzeit Videoanrufe mit Russland taetigen koennen.
1. Verwenden Sie ein VPN, um WhatsApp und Telegram weiterhin zu nutzen
Ein VPN (Virtual Private Network) ermoeglicht es Ihnen, sich ueber Server ausserhalb Russlands mit dem Internet zu verbinden und so Anrufe auf WhatsApp und Telegram wiederherzustellen.
- Vorteile: Sie koennen die App weiter nutzen, die die meisten ohnehin verwenden; kein Plattformwechsel noetig, wenn beide Parteien auf WhatsApp oder Telegram sind.
- Nachteile: Die Person in Russland muss das VPN installiert haben und es muss aktiv sein; einige kostenlose Dienste sind instabil.
Beispiele fuer VPNs, die in Russland funktionieren (wenn auch mit zeitweiligen Sperren):
- Proton VPN: im App Store und bei Google Play verfuegbar, mit einem eingeschraenkten Gratis-Abo.
- TunnelBear: einfache Benutzeroberflaeche, ebenfalls mit einer kostenlosen Version.
- Windscribe: bietet 10 GB kostenlos pro Monat und Anleitungen, um Sperren zu umgehen.
Es ist ratsam, das VPN vor der Reise nach Russland zu installieren und zu konfigurieren, da der erste Download von innerhalb des Landes komplizierter sein kann. Viele Nutzer in Russland verwenden zwei oder drei verschiedene VPNs als Backup, da Sperren nicht immer alle Dienste gleichermassen betreffen.
In Russland kann ein VPN auf persoenlicher Ebene genutzt werden, auch wenn dessen Bewerbung gesetzlich verboten ist und einige Dienste von lokalen Anbietern zeitweise blockiert werden.
2. Internationale Videoanruf-Plattformen nutzen
Es gibt mehrere internationale Apps, die in Russland weiterhin ohne VPN funktionieren:
- Zoom: eine der weltweit am haeufigsten genutzten.
- Google Meet: erfordert ein Gmail-Konto, ist aber einfach zu bedienen.
- Microsoft Teams: in Arbeitsumgebungen weit verbreitet, auch fuer private Anrufe geeignet.
- Brave Talk: ermoeglicht Videoanrufe direkt aus dem Brave-Browser, ohne zusaetzliche Apps zu installieren.
Derzeit unterliegen diese Plattformen in Russland keinen Einschraenkungen, auch wenn aehnliche Massnahmen wie bei WhatsApp und Telegram in Zukunft nicht ausgeschlossen werden koennen.
3. Russische Anwendungen
Lokale Messaging- und Anruf-Apps funktionieren innerhalb Russlands ohne VPN:
- VK Calls: in das soziale Netzwerk VKontakte integriert.
- Yandex Messenger: innerhalb des Yandex-Oekosystems.
- MAX: die neue Super-App, die mit staatlicher Unterstuetzung entwickelt wurde und Messaging, Anrufe, oeffentliche Dienste und Zahlungen kombiniert. Es heisst, sie werde ab September 2025 auf allen in Russland verkauften Handys vorinstalliert sein.
Der groesste Vorteil ist, dass sie im Land nicht blockiert sind. Der Nachteil ist, dass sie ausserhalb Russlands kaum genutzt werden, was ihre Verbreitung einschraenkt.
4. Anwendungen mit Fokus auf Privatsphaere und Dezentralisierung
Neben den oben genannten Optionen gibt es weniger bekannte Apps, die Vorteile beim Datenschutz bieten:
- Threema: in der Schweiz entwickelt, mit Servern ausserhalb Russlands und gegen eine einmalige Zahlung erhaeltlich.
- Olvid: eine franzoesische App, die keine Weitergabe persoenlicher Daten erfordert.
- Element (Matrix): eine dezentrale Plattform, widerstandsfaehig gegen Sperren, allerdings mit eher technischer Nutzung.
- Chattti: eine aufkommende Alternative mit Fokus auf sichere Nachrichten und verschluesselte Anrufe, mit einfacher Benutzeroberflaeche und mobil verfuegbar. Die Verbreitung ist noch begrenzt, aber sie funktioniert in Russland (ich habe sie diese Woche ausprobiert, um mit einem Freund zu sprechen) und kann eine interessante Option fuer alle sein, die etwas Neues testen moechten.
Derzeit funktionieren sie in Russland, da sie nicht von Sperren betroffen sind. Allerdings ist ihre Verbreitung im Land minimal, was sie fuer die meisten Nutzer weniger praktisch macht.
Praktische Empfehlung
Die Wahl haengt von der konkreten Situation ab:
- Um WhatsApp oder Telegram wie gewohnt weiter zu nutzen, ist ein installiertes und konfiguriertes VPN der effektivste Weg.
- Fuer eine schnelle Alternative ohne VPN sind Zoom oder Google Meet die besten Optionen.
- Fuer Personen, die laenger in Russland leben, kann es nuetzlich sein, VK oder Yandex Messenger zu installieren und kuenftig auch MAX.
- Wer Sicherheit und Privatsphaere priorisiert, findet in Apps wie Threema, Element oder Chattti gute Garantien, allerdings muessen beide Seiten sie nutzen.
Fazit
Die Blockierung von Anrufen auf WhatsApp und Telegram in Russland hat die Kommunikationsgewohnheiten veraendert, verhindert Videoanrufe jedoch nicht. Es gibt praktische Loesungen, die von der Nutzung von VPNs ueber internationale Plattformen bis hin zu lokalen Apps oder dezentralen Diensten reichen. Entscheidend ist, diese Tools im Voraus vorzubereiten und mit den Kontakten abzusprechen, welche in welchem Fall genutzt werden soll.





